Philippinische Arbeiter fürchten um ihre Jobs
BANGKOK taz "Kein Land ist gegen die globale Krise immun", warnte kürzlich Joy Chavez von der Nichtregierungsorganisation Focus on the Global South. Mit ihrer Kritik zielte Chavez auf die Haltung der philippinischen Regierung. Diese habe wiederholt erklärt, das Land werde vom weltweiten ökonomischen Niedergang nicht betroffen sein. Dass dem eben nicht so ist, bekommt das Inselreich mit seinen rund 90 Millionen Einwohnern bereits zu spüren: Durch die Krise hat sich unter anderem die Lage der philippinischen Arbeitsmigranten verschärft.Auf den Philippinen gibt es kaum gut bezahlte Jobs, daher arbeiten Millionen Filipinos in Übersee. In Taiwans Elektro- und Elektronikbranche zum Beispiel schufteten in den vergangenen Jahren rund 50.000 Filipinos. Einen Großteil ihres Lohns schicken die Arbeitsmigranten nach Hause - 2008 waren es etwa 16,4 Milliarden US-Dollar. Ob das so bleibt, ist zweifelhaft. Denn Ende vergangenen Jahres waren die taiwanischen Arbeitgeber weil die Exporte einbrachen, gezwungen, Teile der Belegschaft zu entlassen oder deren Lohn drastisch zu kürzen.
Allein im Dezember 2008 mussten rund 3.000 auf Taiwan beschäftigte philippinische Arbeiterinnen und Arbeiter in die Heimat zurückkehren - lange bevor ihr Vertrag ausgelaufen war. Experten schätzen, dass dies erst der Anfang ist. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) geht davon aus, dass von den weltweit im Ausland beschäftigten rund 200 Millionen Wanderarbeitern etwa 20 Millionen bis Ende 2009 ihren Job verlieren werden. Der weltweite Anteil der philippinischen Arbeitsmigranten beträgt derzeit 8 bis 11 Millionen.
Auch auf die wirtschaftliche Entwicklung dürfte die globale Krise durchschlagen. Mit Traumwerten wie rund 7,3 Prozent Wachstum in 2007 ist es erst einmal vorbei. Für dieses Jahr haben Beobachter den Philippinen einen vergleichsweise geringen Anstieg von nur noch 4,2 Prozent prognostiziert. Das System sei vor allem deshalb verwundbar, weil es zu abhängig von Exporten und Direktinvestitionen sei, warnten unlängst Experten des philippinischen Thinktanks Ibon Foundation.
Vor allem die wirtschaftliche Talfahrt in den USA habe Folgen für die Philippinen. Denn die USA gelten als ein führender Handelspartner des Inselreiches. Ein Großteil des philippinischen Exports geht direkt in die Vereinigten Staaten. Allein der Anteil der USA an den gesamten Auslandsinvestitionen auf den Philippinen macht 20 Prozent aus. NICOLA GLASS
http://www.taz.de/1/zukunft/wirtschaft/artikel/1/arme-erwischt-es-am-haertesten/
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